4.3.09
Wir klärten alles, sie notierte sich die Nummer der Airport-Auskunftsnummer (Ich hoffe, dass diese Person bei der Fusion aller Berliner Flughäfen gekündigt wird oder auf jeden Fall nur eine ganz billige Outplacementberatung bekommt – sie hat mir einen Urlaubstag gestohlen!). Die nette Lufthansadame hat mich für den nächsten Tag gebucht und mir einen Broschüre mit meinen Rechten bei einem verschulden der Lufthansa in die Hand gedrückt (die scheinen ja gut vorbereitet zu sein?).
Also verbrachte ich den ganzen Tag schlafend im Bett, konnte dann die Nacht darauf nicht schlafen und wurde von Hans-Georg dann am 3.3.09 morgens pünktlich in den Flieger nach Brüssel gesetzt. Dort kannte ich nun schon alles, langer, langer Weg zum Indien-Gate und als ich dann endlich von den bildschönen Flugbegleitern in Jet Airways mein heißes Tuch und die Speisekarte gereicht bekam, war alles wieder gut. Vier Filme später (darunter Slumdog Millionnaire, der zwar Spaß gemacht hat, aber meiner Meinung nach doch überschätzt wird und vor allem dem Buch von Swarup qualitativ nicht gleich kommt. Aber wenn schon „Das Leben der Anderen“ einen Oskar bekommt, dann hat ihn Slumdog Millionnaire in jedem fall verdient) kamen wir in Mumbai an. Dort mussten wir leider auschecken und wieder einchecken und dann erst in den Domestic Airport - aber dort verbrachte ich fünf vergnügte Stunden mit Smita, die mit ihrer Familie in den USA lebt, deren zwei Söhne – natürlich – Medizin studieren und von denen einer eine Amerikanerin heiratet, was sie und ihr Mann etwas mit Sorge sehen, obwohl sie sehr nett ist und auch gerne Saris trägt und sich darum bemüht, Samoussas zu kochen. Smita vermisst Indien und fährt jedes zweite Jahr wieder nachhause und diesmal nach Ahmadabad, weil sie dort alles für die Hochzeit und für die Kleidung ihrer künftigen Schwiegertochter einkaufen wird. „It´s much cheaper, you know“. Zu uns gesellten sich 15 ärmlich gekleidete, müde und abgespannt aussehende Männer, mit Koffern, die mit großen Tesakreppstreifen beschriftet waren „Chandra Suhendar – Dubai to Jaipur“. Das waren Arbeiter aus den Dörfern um Jaipur, die in Dubai unter extremen Bedingungen arbeiten müssen, um von dem niedrigen Lohn auch noch etwas nachhause zu ihren Familien zu schicken. Sie bekommen 15.000 Rupien per Monat (ungefähr € 240), wohnen zu 14 Personen in Zimmern von ca. 20 qm. Da die wirtschaftliche Situation in Dubai im Moment auch nicht die Beste ist, hat die Company ihnen eben so mitgeteilt, dass sie nachhause sollten. Irgendwann können sie dann wiederkommen. Auch das ist Indien.
Der Flug nach Cochin war dann unbequem und kurz, aber endlich war ich da. Den Koffer fand ich schnell –aber Caro, Deine Idee mit dem farbigen Bändchen ist weniger originell, als wir dachten. Fast alle Koffer haben jetzt farbige Bändchen oder Tücher an den Griffen, so dass das Auswählen auch wieder nicht einfacher ist. Mein höflich winkender und schön weiß gekleideter Fahrer brachte mich dann freundlich und umsichtig ins Hotel. Auch hier alles höflich und zuvorkommend und ja, ich kann sofort ins Zimmer, obwohl es doch erst 09:00 ist und dann weiß ich 8 Sunden nichts mehr, weil ich wohl geschlafne habe, bis ich abends aufwachte und mein erstes indisches Essen in de Marina zu mir nehmen konnte. Dabei handelte es sich um „Typical Syrian christian chicken, served with hoppers“. Nur als Information: syrisch-christliches Essen kann man vergessen, ab jetzt nur noch hindu-muslimisches nicht-syrisches Essen.
Jetzt muss ich zum Frühstück, weil danach mein Fahrer kommt, der mich in meinen Ayurveda-Ashram in der Nähe von Thrissur bringt. Ich bin mal sehr gespannt, was vegetarisches Essen, warmes Wasser und Ölgüsse so bewirken. Der bericht über mein Sight Seeing in Fort Cochin kommt noch.
Übrigens: Es ist warm hier, sehr angenehm, ca 33 Grad und etwas feucht, aber extrem wohltuend für schmerzende Knochen.
Viele Grüße ins kalte Deutschland. Bis bald – mal sehen, wie die Internetbedingungen im Ayureda-Ashram sind.

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