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Auroville, Chappals und indischer Autoverkehr

28. Oktober 2008 · 2 Kommentare

Ein bisschen wollte ich noch zu Auroville erzaehlen. Fuer alle, die das noch nicht wissen: Sri Aurobindo ein Philosoph und wohl auch politischer Aktivist gegen die Briten, hat eine spirituelle Lehre und Gemeinschaft gegruendet, dann dazueine geistige Gefarhtin gewonnen, genannt “die Mutter” und diese hat dann in Tamil Nadu in der Naehe von Pondicherry eine grosse Kolonie gegruendet, die heute wohl vor allem von Nicht-Indern, aber auch Indern, bevoelkert wird. Wie ich das verstanden habe, ist es eine Mischung aus Kibbuz und Ashram. Es ist unglaublich, was sie dort errichtet haben. Man hat das Gefuehl, in einem riesigen Naturparkt zu sein, in dem achtitektonisch schoene Haeuser stehen, alles mit Solarsrtom betrieben wird, ein Riesenpar besteht schon und es wird noch ein grosser See angelegt.

Es ist ein kompliziertes Verfahren, zum Aurovillean zu werden, aber es steht grundsaetzlich jedem offen. Aurovilleans arbeiten und meditieren und beten. Vor allem wird in der Matrimandir gebetet, einer unglaublichen “goldenen” Kugel, die fast ueber dem Park schwebt . Aber Auroville ist auch eine starke oekonomische Gemeinschaft, die ihre ethische Mode bis auf Pariser Modeschauen bringt und aucch sonst sehr viel verkaufen kann. Insgesamt beeindruckend.

So der kleine Zweifel der bleibt kommt, wenn man die Strasse dorthin faehrt und die Huetten oder kleinen Haeuschen der Inder sieht, die dort in ziemlicher Armut leben und vermutlich als guenstige Arbeitskraefte dienen. Man weiss nicht, wie man dazu stehen soll: Sicher werden sie in Auroville besser bezahlt als anderswo, oder haben ueberhaupt einen Arbeitsplatz. Aber die Diskrepanz zwischen den dort relativ luxurierend lebenden (nach den Gebaeuden und den Geschaeften zu urteilen, es gibt auch einen Pool und ein Gym) Aurovilleans und den den lokalen Indern hinterlaesst ein etwas zwiespaeltiges Gefuehl. Vielleicht muss man mehr darueber wissen.

Ein Land voller Chappals

Es ist herrlich in einem Land zu leben, in dem alle staendig Sandalen tragen. Vor allem, wenn man als Frau Schuhgroesse 42 hat und in Deutschland staendig nach netten Schuhen sucht. Hier tragen alle Sandalen oder Schlappen oder Chappals eben. Klar erwartet man sich das von einfachen Leuten, Bauern oder kleinen Handwerkern. Aber nein, in unserem schoenen Hotel schweben Damen in golddurchwirkten Saris oder Salwar Kameez in den Diningroom und an den Fuessen? Schlapp, schlapp, Chappals, die in Paris nicht immer den Schoenheitswettbewerb gewinnen wuerden. Vor allem sind sie oft viel zu gross und werden deshalb auch vermutlich, sobald der Chappalbesitzer sich niedergelassen gat, irgendwo unter dem Tisch entsorgt und die Zehen wackeln vergnuegt in der frischen Luft. Und die Maenner erst: Oben diese goettliche Kurtas, an den Armen Golduhren und an den Fingern einen goldenen Ring nach dem anderen. An den Fuessen etwas klobiges braunes, abgeschlurftes, viel zu grosses oder auch zum Anzug gerne riesenhafte Turnschuhe, die den Turnschuhen von Puff Daddy aehneln. Braune Chappals, goldene Chappals, Plastikchappals, Gummichappals, es gibt alles. Ich versuche Henrie dazu zu bringen, jetzt mal eine Videoserie ueber Chappals zu machen.

Verkehr in Indien

In unseren Reisefuerhrerm ist eigentlich allesgesagt ueber den Verkehr in Indien: Er ist schrecklich. Das stimmt, wenn man darauf besteht, dass Menschen immer in der strassenverkerhsordnungsmaessig vorgeschriebenen Strassenseite fahren, beim Zebrastreifen halten und auf einer doppelspurigen Strasse nicht in eine Richtung 7 Verkehrsteilnehmer nebeneinander herfahren sollten. Aber wenn man einfach als Verkehrsziel annimmt, dass jemand von A nach B gebracht wird, dann finde ich den indischen Verkehr ganz hervorragend. Klar, es ist etwas beunruhigend, wenn der Rikshafahrer zum ersten Mal ohme abzubremsen auf eine Gruppe von 4 Frauen, die ruhig, aber bestimmt in einer Reihe auf der Strasse gehen (schlappen) zufaehr und gleichzeitig von rechts oder links, ich seh da nicht klar, zwei Motorraeder und ein PKW uns ebenfalls ohen abzubremsen entgegenfahren, aber es geht immer, wenn auch manchmal um Zentimeter und ihc uebertreibe nciht. In den ersten Tagen hatte ich immer einen Herzinfarkt, aber jetzt weiss ich ja, dass es klappt. Es passiert nichts. Wenigstens in Pondicherry, das mag in Bombay anders ein. UNd sie bruellen sich auch nicht an, sondern laecheln freundlich und  brausen weiter. Man denkt immer, dass in dieseme tnsetzlichen Gewimmel eigentlich etwas passieren muesste, aber das tut es nciht. Vor allem die Frauen bewundere ich: Selbst wenn unser Rikshafahrer oder ein Motorrad (bevorzugtes Verkehrmittel hier, wird vielleicht irgendwann von dem 1 Lakh-Auto von Tata abgeloest) schon die Dupatta (den herunterhaengenden Schal) streift, weichen sie keinen Zentimeter. Nein, es ist der Riskha- oder Motorradfahrer, der ausweichen muss. UNd dann die Familien: Vorne Papa mit Sohn zwischen Lenker und Bauch kelemmt, hinten Mama im Damenreitsitz, wie seinerzeit die reitenden Damen) und sie hat noch ein Baby unter den Arm geklemmt. Und der Fahrstil dieser Familie unterschiedet sich in nichts von dem anderer  Verkerhsteilnehmer. Ueber die Strasse gehen ist ein kleines bisschen gewohnungsbeduerftig: Zuerst waren wir ein bisschen hysterisch, aber jetzt heisst es einfach “Gehen”, die fahren schon um uns rum und das tun sie auch. UNd wenn wir mal allzu lange an der Seite stehen, dann kommt jemand unter furchtbarem Gelaechter und haelt die Autos an oder geleitet uns ueber die Strasse. In dieser Hinsicht sind die INder Kuenstler. Nein, es ist nicht wie in Spanien oder Italien. Dort bruellen sie sich ja dann bei dem mediterranen Verkehr staendig an, hier wird gelaechelt oder die Mine nicht verzogen.

Naja, ich sollte mich mit Bemerkungen ueber “Die Inder” zurueckhalten, wir haben nur einen klitzekleinen Einblick gewonnen, aber dieser Eindruck ist wunderbar. Nur, dass ich einen furchtbaren Sommembrand habe. Ich wollte gestern die Sonne und das wunderbare Schwimmbad ausnutzen und das habe ich nun davon.

Bald kommt  mehr: Heute werden Klamotten fuer Henrie gekauft - es ist alles sooo schoen hier. Ausserdem wolen wir aufhoeren,weil in dieses Cyberafe gerade eine Horde von skandinavischen und deutschen Studenten eingefallen ist, die ein unheimliche Lautstaerke an den tag lege. Merkwuerdig, gestenrn bei der Diwalifeier in unserem Hotel (herrlich!!!) waren serh viele Leute, alles Inder mit Kindern und es war ueberhaupt nicht laut…

Liebe Caro, wir freuen uns ueber Deine Mails und Kommentare, andere sollten ruhig auch mal ein Gruesslein schicken…

Auch an andere potemzielle Leser und Leserinnen viele Gruesse

Janine

Thema: Indien-Reise oder Reisen 60+

Es gibt 2 Kommentare zu diesem Artikel ↓

  • 1 gesine antwortete am 02. November 2008 um 21:11 Uhr

    Liebe Frau Berg-Peer,

    wie freue ich mich immer über Ihre Nachrichten aus Indien! Außerdem mag ich Ihren lustigen, teils ironischen Schreib- und wohl auch Lebens-Reise-Stil. Offenbar sind Indien und seine Menschen in Teilen so geblieben, wie ich sie kennen gelernt habe. Die Lautstärke, sowohl was die Kfz-Hupen als auch das Miteinander der Menschen angeht, scheint mir einzigartig zu sein, ich glaube, da können selbst überquellende Großstädte wie Jakarta oder Manila mit ihren Jeepneys nicht mithalten. In Indien gilt das Motto: Wer hupt lebt!

    Auroville fanden Uli und ich damals (1990/91) auch ein bißchen befremdlich: Das Nebeneinander von einer guten Idee einerseits aber andrerseits sahen wir nur die Inder wirklich arbeiten, ohne gleichberechtigten Anteil zu haben. Und die Weißen umgaben sich mit dem Nimbus, etwas ganz Besonderes zu sein. Wie kommt es, daß wir Menschen so tolle Ideen haben und dabei so blind für den Nächsten sein können?

    Werden Sie und Henriette noch in Tamil Nadu reisen? Ich fand damals Madurai mit seinem großen und lebendigen Tempel, insbesondere das abendliche Zeremoniell, bei dem Shiva zu Menakshi zur gemeinsamen Nacht gebettet wird, sehr schön.

    Jedenfalls wünsche ich Ihnen und Henriette noch einen bunten, seidenweichen und spannenden Aufenthalt in Indien und freu’ mich auf Ihren nächsten Bericht im Blog. Alles Gute weiterhin und herzliche Grüße schickt Ihnen Gesine Krüger

  • 2 Frank Murmann antwortete am 04. November 2008 um 21:20 Uhr

    Vanakam, vanakam,
    nun verfolge ich Ihre Reise schon eine Weile und bin ganz neidisch. Indien hat mich schon seit geraumer Zeit interessiert, ich stelle mir immer diese Gerueche aus Sandelholz und Gewuerzen vor, indische Klaenge aus den Geschaeften und die vielen Farben der Saris. Und Ihre ausfuehrlichen Beschreibungen machen wirklich Lust auf Mehr und ich erwarte gespannt Ihren Bericht ueber das mehrtaegige Divali (दीवाली) Fest. Ich habe das Fest des Lichtes bei der indischen Gemeinschaft in Suedafrika erlebt und war begeistert.
    Ich weiss nicht ob Sie Suessigkeiten moegen, aber ich bin ein absoluter Fan vom “Sweet Meat”, Ladoo Balls u.s.w. Das sollten Sie auch unbedingt probieren.
    Ich bin erst vor wenigen Tagen aus Suedafrika zurueckgekehrt…und habe schon wieder genug vom tristen Deutschland. Die Berliner Temperaturen liegen zwischen 6 und 10 Grad, jeden Tag Nebel und/oder Regen. In den U-Bahnen wird gehustet, geschnieft und geroechelt, und aufgrund der wirtschaftlichen Lage scheint alles nur frustriert, perspektivlos und aggressiv zu sein….
    Wie weit geht die Reise denn noch an der Kueste nach Norden? Werden Sie noch im Ganges baden ;-)
    Dann wuensche ich Ihnen und Henriette noch einen fantastischen Aufenthalt.
    Herzliche Gruesse. Ihr Frank Murmann
    P.S.: Und bringen Sie sich viele schoene indische Stoffe und Saris mit, die Farben werden Sie in der tristen deutschen Jahreszeit immer wieder mit warmen Gedanken erfuellen.

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