In sechs Wochen ist es so weit. Ich fahre wieder nach Indien, diesmal wieder nach Pondicherry, weil es mir so gut gefallen hat. Obwohl ich mich vor 5 Monaten, als ich den Flug gebucht habe, sehr darauf efreut habe, habe ich jetzt das Gefühl, dass es viel zu früh ist. Ich habe noch so viel zu tun, das erste Indienbuch muss fertig werden, ich muss das Buch über Liebescoaching anfangen, eigentlich sollten auch noch alle Ordner aufgeräumt werden. Sollte ich nicht besser auch die Eikommenssteuererklärung für 2009 fertig machen? Gut, 2009 ist noch nicht fertig, aber es ist doch besser, das geordnet zurück zu lassen. Und dann wollte ich im Schlafzimmer auch neue Gardinen machen lassen. Können die Rosen schon im Oktober in Sackleinen gehüllt werden für den Winter? Das Testament muss aktualisiert werden.
Eine lange Liste mit Katzenärzten, Fischgeschäften, Internisten, Handwerker für Waschmaschinenausfälle und die Telefonnummern aller Kinder und Freunde muss für Klaus, den Wohnungssitter, angefertigt werden. Klaus hat zwar 10 Jahre in Berlin gelebt, aber jetzt lebt er seit drei Jahren in Amerika und es hat sch doch so viel verändert. Was soll ich mit dem Auto machen? Brauche ich eine Garage für die zwei Monate? Und vor allem: Klaus, der Wohnungssitter, ist extrem ordentlich. Müssen da nicht alle Kleider- und Küchen- und Badezimmerschränke vorher noch aufgeräumt werden?
Ich weiß nicht, wie ich das alles schaffen soll. Vielleicht sollte ich den Flug verschieben. Oder gar nicht fliegen? Oder ganz wo anders hin? Vielleicht doch Thailand, einfach an den Strand und diszipliniert schreiben? In Venezuela gibt es auch wunderbare Hideaways, sagt der Reiseveranstalter FoF (Fernostreisen). Sehr zu empfehlen. Oder doch Pondicherry, aber vorher ein paar Tage auf die Andamanen? Die Insel, die von den Briten als Gefängnis benutzt wurde für rebellische Inder, die einen Auftand wagten gegen britische Herrschaft? Und die sie später auch als Gefängnis für viele Burmesen nutzten? Und wo sich die Japaner ziemlich böse aufgeführt haben im 2. Weltkrieg? Und wo auch der Tsunami 2004 seine Spuren hinter lassen hat? Es ist für mich ein so geschichtsträchtiger und aufregender Ort, aber wenn ich mal wieder Reiseführer lese, dann wird berichtet, dass Port Blair, die Hautpstadt, langweilig sei und es überhaupt nur in entfernteren Küstenregionen herrliche Schnorchelgründe gäbe. Reiseführer können einem oft die Freude verderben oder eine Vorfreude gar nicht erst aufkommen lassen. Vielleicht sollten sie ihre Urteile, ob eine Stadt langweilig oder interessant sei, dem Reisenden überlassen. Vielleicht braucht man Phantasie, um in Port Blair die Vergangenheit ein wenig aufleben zu lassen. Es fliegt en kleines Flugzeug nach Port Blair. Eine Fähre gibt es zwar auch, aber die kann ein paar Tage dauern und außerdem kann es dort auf dem Meer sehr ungemütlich werden. Sollte es ja auch, um Flüchtlinge abzuhalten. Aber man braucht ein Extravisum für die Andamanen. Kompliziert.
Vielleicht schreibe ich heute einfach am ersten Indienreisebuch weiter und bügele dann schon mal die Leinenkleider. Entscheiden kann ich immer noch, ob ich überhaupt fahre.

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