Janine/ April 23, 2013/ Alle Artikel, Genuss

rucola-160-120Mein Besuch in der Staatlichen Hofakademie war wieder wunderbar. Einer dieser  Tage, an denen ich den Schreibtisch fliehe und die Gedanken für das Buch nicht so recht fließen wollen. Nun habe ich die Erlaubnis meiner beiden Schreibgurus, Urlaub zu nehmen. Urlaub bedeutet, einen Spaziergang zu machen oder Yoga (furchtbar!) oder einen schönen Film anzusehen oder Osso Buco zuzubereiten. Ich habe die Staatliche Hofakademie gewählt, die von der unternehmungslustigen und fachkundigen Gabriella Pape vor einigen  Jahren in der Tradition von Peter Josef Lenné wieder eröffnet und mit Leben gefüllt wurde. Lenné gründete im Jahr 1823 die erste Ausbildungsstätte für Gartenkultur in Europa. Aber das könnt ihr alles viel schöner nachlesen unter www.koenigliche-gartenakademie.de. Ich konnte meiner Seele mit den vielen Blümchen etwas Gutes tun, die zwar noch nicht erblüht waren, aber schon in meiner Vorstellung meine Terrasse grün wuchern ließen. Und, auch nicht zu vergessen, konnte ich meine tolle neue Bridgecamera ausprobieren, die man natürlich unbedingt braucht, wenn man Veilchen, Kamelien oder Sauerampfer fotografieren will. Kein Vergleich mit Fotos aus dem IPhone! Also ein Tag voller ästhetischer Genüsse.

Natürlich ist so ein Besuch in der Königlichen Gartenakademie auch immer eine Reise in ein fremdes Biotop.

Ist euch schon mal aufgefallen, welche Menschen dort einkaufen? Also es gibt diesen Typ Mensch, zumeist mit sehr blonder Gattin, der im SUV (Neid!) vorgefahren kommt. Die stürmen dann sofort in die Manufaktum-Auslage – ja auf Frau Pape muss Geld verdienen und hat daher nach dem Shop-inShop-Prinzip einige vom Status her passenden Geschäfte in das königliche Konzept integriert – und kaufen überteuerte Blumenzwiebeln in handgeschöpften Papiertüten, Gartenzwerge aus dem Erzgebirge (ein mittelständischer Traditionsbetrieb!) und englisches handgeschmiedetes Gartenwerkzeug aus Manchester. Ich gebe zu, ich bin neidisch, ich hätte das auch gern (als Tochter eines Messerherstellers), aber mir ist das zu teuer. Ich brauche es auch genauso so wenig wie die Menschen aus dem SUV, aber man braucht ja auch manchmal etwas fürs Herz. Ganz ehrlich, mein IPad brauche ich auch nicht, aber s.o. Mein Lieblingsgeschäft, sagt der Mann aus dem SUV schwärmerisch. Er sieht ein bisschen so aus wie der Protagonist aus der Neuen TV-Serie „Die Geissens“. Seine Frau schaut glücklich und stöckelt auf ihren 12cm hohen Riemchensandaletten zu den David-Austin-Rosen.

Dann macht auch noch die kulturbewusste Zehlendorfer Dame einen Besuch in der Königlichen Gartenakadmie.

Diese marschiert auf bequemen und passenden Schuhen mit flachen Ansätzen (Tods? Bally?) zielstrebig zu den Pflanzen. Sie trägt einen blaugrünkarierten Faltenrock und darüber einen praktischen, aber ebenfalls teuren dunkelblauen Anorak. Ihr Haar ist natürlich nicht blond, sondern ungefärbt grau und entweder zum  praktischem Kurzhaarschnitt oder zu einem kinnlangen Bob mit Pony geschnitten. Ihr Mann, ähnlich angezogen, nur ist sein Anorak beige, kennt ebenso wie sie alle lateinischen Namen für die Pflanzen und niemals, aber auch wirklich niemals würden sie Pflanzen kaufen, die nicht in unserem heimischen Biotop zuhause sind. Lavendel entfällt also. Gern nehmen sie auch Pflanzen, die es eigentlich schon lange nicht mehr gibt, die aber in einem kleinen Gartenbaubetrieb in Brandenburg, gefördert mit EU-Geldern, von einem jungen engagierten Ehepaar sorgsam gesucht und neu gepflegt werden. Versteht sich, dass diese Ehepaar ihre Jobs in der Stadt aufgegeben haben. Er war Börsenmakler und sie Unternehmensberaterin und als dann das erste Kind kam, war ihnen klar, das das nicht das Leben sein kann. Sie suchten Sinn für sich und idie Kinder und den fanden sie in Brandenburg. Und jetzt erwecken sie diese ganz seltenen Küchen- und Heilkräuter und -pflanzen wieder zum Leben…

Und dann gibt es noch eine kleine andere Oma (also ich bin eigentlich größer), die mit ihrem kleinen Beutelchen suchend durch die Gänge läuft. „Ich wollt nur ein paar Primelchen für meinen Balkon“, vertraut sie mir an. „Aber die sind ganz schön teuer hier!“ Ich nicke und wir tauschen uns über die Berliner Möglichkeiten aus, Primelchen und Anderes viel günstiger einzukaufen. Dort ist es nicht so schön – Namen nenne ich nicht! – , aber es gibt dort auch viele schöne Blumen. Und damit wird Frau Pape auch zurecht kommen, denn als die kleine Oma und ich blumenlos aus dem großen Tor huschen, steht eine meterlange Schlange vor der Kasse. Aber auch wenn ich woanders kaufe, hier ist es herrlich und deshalb kommt die Gartenakadamie auch in meinen Blog. Und in dem Café kann man wunderschön sitzen, ein schönes Buch lesen und Torte essen. Und die Kellnerin ist dort ganz besonders nett. Schade, es war wohl ihr letzter Tag, weil es bald eine andere Bewirtung gibt. Übernehmen Sie diese Kellnerin, die ist ein Gästemagnet!

 

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