Janine/ April 3, 2020/ Alle Artikel, Genuss, Kochen, Schreiben

Mein Corona-Tagebuch: Reste-Essen in der Quarantäne

Manchmal ist es langweilig in der Quarantäne. Da muss ich mir überlegen, was ich so machen kann. Eigentlich bin ich gern zuhause, auch allein. Aber jetzt in der Quarantäne fallen mir Dinge ein, die ich  eigentlich unbedingt jetzt sofort erledigen müsste. Mein Mantel hat an einem Ärmel plötzlich zwei Löcher – Motten? Katzenbisse? – auf jeden Fall sieht das gar nicht schön aus. Jetzt muss ich dringend in dieses wunderbare Stoffoutlet gehen und braunen Samt kaufen, damit mein türkischer Schneider den an die Ärmel nähen kann. Das muss jetzt sofort sein. Finde ich. Obwohl es eigentlich ein Wintermantel ist, den ich sogar diesen Winter kaum anziehen musste. Oder alle Ordner müssen wunderschön nach Themen und Farben beschriftet werden. Jetzt sofort. In normalen Zeiten kann ich sehr gut lange nichts tun außer Lesen oder Schreiben. Aber genau jetzt kommen mir so Ideen, für die ich eigentlich aus dem Haus gehen müsste. Geht nicht. Ich bin die Hochrisikogruppe!

Mein Corona-Tagebuch: Reste-Essen in der Quarantäne

Also habe ich mir etwas anderes überlegt. Ich werde Reste kochen. Habe nachgesehen, was es alles in meinen Schränken und dem Tiefkühlfach gibt. Und das wird jetzt gekocht. Als erstes fand ich eine große Tüte Bioroggen. Was um alles in der Welt soll ich damit machen? Wieder in den Schrank zurückstellen und den Schrank schließen, rät eine meiner Töchter. „Das musst Du erst schroten,“ sagt die andere Tochter. „Da klinke ich mich aus“, sagt der Sohn. Und Henriette sagt „Igitt, Roggen!“. Aber ich lassen mich nicht entmutigen. Vor Jahren habe ich damit doch schöne Salate gemacht, das muss doch jetzt auch gehen. Auf allgemeinen Wunsch aus Facebook hier das Rezept:

Mein Corona-Tagebuch: Reste-Essen in der Quarantäne

Was man für den Roggensalat braucht: 500 g Roggen, bio natürlich, Schalotten, rote, grüne und gelbe Paprika, Knoblauch, Balsamico-Essig, ein Stück frischen Ingwer, Salz, Pfeffer, Olivenöl, Schafskäse, am besten bulgarisch, der ist schön scharf.

Zubereitung: Nein, hier muss nichts geschrotet werden, einfach den Roggen in einen Topf mit Salzwasser geben und kochen lassen. Ich weiß nicht, wie lang, einfach immer mal wieder ein Roggenkörnchen aus dem Topf holen und drauf beißen. Dann merkt man es schon. Nicht zu weich kochen lassen, er muss noch al dente sein! In der Zwischenzeit 2 Schalotten klein würfeln, zwei rote, zwei grüne und eine gelbe Paprika ebenfalls klein würfeln. 2 Knoblauchzehen, wenn man mag, klein hacken. Den Schafskäse in Würfelchen schneiden, nicht zu groß! 

Mein Corona-Tagebuch: Reste-Essen in der Quarantäne

Jetzt den Roggen abgießen und ihn unter ausreichend kaltem Wasser abspülen. In einen großen Topf geben. Es ist übrigens erstaunlich, wie viel Roggensalat man aus 500 g Roggen machen kann. Dann das gewürfelte Gemüse und den Schafskäse dazugeben und gut durchrühren. Jetzt kommt es darauf an, ob man ist eine fertige Salatsauce machen möchte, oder ob man, wie ich, einfach Öl, Essig, Pfeffer und Salz darüber gibt, immer wieder alles durchrührt und dann abschmeckt. Ich meine, dass man schon merkt, wann es gut schmeckt. Ja, und dann ist der Roggensalat schon fertig. Geht schnell und schmeckt wirklich gut.

Mein Corona-Tagebuch: Reste-Essen in der Quarantäne

Was habe ich noch unter meinen Vorräten gefunden? Tiefgefrorenes Hackfleisch, abends rausnehmen und auftauen lassen. Tomatenmark, gefrorene grüne Bohnen (nicht auftauen lassen), erst im letzten Moment gefroren dazu tun!  Zwiebeln, Knoblauch
und viele indische Gewürze. Turmeric Powder, Kardamom
, Zimt, Nelken, Ingwer, Knoblauchpulver, Currypulver, Salz, Pfeffer, Currypaste (gibts in Asialäden), 2 Lorbeerblätter, Chilliflocken oder Sambal Oelek. Die Inderin zerbröselt alle Gewürze in einem Mörser, aber zu etwas habe ich keine Lust. Kauft aber einfach Garam Masala, das ist schon eine fertige indische Gewürzmischung aus alle o.g. Gewürzen (dann muss man nicht so viele unterschiedliche Gewürze kaufen) und noch etwas Currypulver.

Mein Corona-Tagebuch: Reste-Essen in der Quarantäne

Und so wird es gemacht: Eine große Pfanne oder einen Wow nehmen und ausreichend Öl erhitzen. Übrigens: Inderinnen kochen nicht mit einem oder zwei Esslöffeln Öl, sondern die Maße (Masse?) sind mit einer Tasse oder einer halbe Tasse Öl angegeben! Wenn das Öl erhitzt ist, dann das Hackfleisch hineingeben und möglichst eine Weile schön braun anbraten lassen. Dann alle Gewürze dazu geben und wieder rühren.  Dann die gewürfelten Zwiebeln und den Knoblauch dazu geben, alles gut durchrühren. Dann eine ganze Tube Tomatenmark dazu und wieder umrühren. Salzen und pfeffern und einen Teelöffel Chillipulver (das ist besser für westliche Gaumen) dazu geben. Wieder rühren. Jetzt eine große Tasse Wasser dazukippen und klein stellen und mindestens eine halbe Stunde köcheln lasse. Curries müssen lange köcheln! Dazwischen immer wieder nachschauen, ob es nicht anbrennt, dann noch Wasser dazu geben. 

Mein Corona-Tagebuch: Reste-Essen in der Quarantäne

Eigentlich ist das Curry jetzt fertig, aber in Indien gibt man noch zwei oder drei kleine
Kartoffeln dazu (sie werden auch nur in der Sauce gekocht, nicht vorher kochen), dann noch so viele hart gekochte Eier, wie Personen mitessen sollen. Jeder bekommt eins!
Jetzt kann man dazu Reis essen (üblich), aber auch Fladenbrot oder Baguettebrot (auch üblich). Bestimmt keine Salzkartoffeln. 

Dazu kann man Weisswein (gut gekühlt) trinken, gern auch ein kühles Bier oder, was ich gern trinke, eine Tasse Tee mit Kardamom und Milch. Alles ist gut, um die Schärfe des Curries besser zu vertragen. Also, los geht’s!

Interessiert an meinem Butter Chicken (ganz milde) oder an meinem Zitronenhühnchen? Einfach Bescheid sagen!

Bis bald und bleibt bitte gesund!

 

 

 

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